Aus Horgenzeller Raiba könnte Rathaus werden

Kämmerer stellt ersten Entwurf des Haushaltsplans vor – Große Investitionen stehen an

Horgenzell - "Der Haushalt 2017 wird noch ganz solide - aber wir knabbern unsere Vorräte schon ziemlich an", sagt Ralf Meßmer. Der Horgenzeller Kämmerer sieht mit Sorgen in die Zukunft: "In den kommenden Jahren haben wir einiges zu stemmen - wir brauchen dringend Einnahmen über Grundstücksverkäufe." Meßmer hat dem Gemeinderat den ersten Entwurf für den Haushaltsplan vorgestellt. Vieles müsse noch weiter beraten werden. Die größte Investition, die der Kämmerer eingeplant hat, ist der Kauf des Raiffeisenbank-Gebäudes in Horgenzell. Es soll zum neuen Rathaus umgebaut werden. Einen solchen Fall gab es zuletzt auch in Bodnegg. Dort ist im November das Rathaus aus dem angestammten Gebäude ins Raiffeisenbank-Gebäude eingezogen. In diesem Jahr rechnet Meßmer in Horgenzell dafür mit Kosten von 750 000 Euro, im nächsten Jahr mit weiteren rund zwei Millionen Euro. Noch sei aber gar nicht sicher, ob das Gebäude tatsächlich gekauft und wie es gegebenenfalls umgebaut werde. "Wir sind mitten in den Verhandlungen", sagte der Kämmerer.

Weitere große Ausgaben im Vermögenshaushalt sind der Kauf von Ökopunkten für 455 000 Euro, um künftige Baugebiete auszugleichen, der Grunderwerb für das neue Baugebiet in Ringgenweiler mit 300 000 Euro, der Kauf des BAG-Gebäudes in Zogenweiler mit 150 000 Euro, die Modernisierung der Kläranlage Urbanstobel für 139 000 Euro und der Straßenbau mit 88 000 Euro. Dazu kommen viele weitere Posten wie der Gemeinde-Anteil an der Sanierung des Kirchturms in Horgenzell von 40 000 Euro, neue Funkmeldeempfänger für die Feuerwehr für 30 000 Euro und zwei neue Buswartehäuschen für zusammen 20 000 Euro.

Grob geschätzt ist nach Meßmers Angaben die Kapitalumlage an den Schulverband mit 100 000 Euro. Im Gespräch sei, die Schule mit modernen Weißwandtafeln auszustatten. Die Erstellung eines Radwegekonzepts für 10 000 Euro hat der Kämmerer wie schon im Vorjahr wieder verschoben. Das Geld für den Geh- und Radweg in Rolgenmoos, der nun endlich kommen soll, liegt schon aus den Vorjahren bereit. Alles in allem beläuft sich der vorläufige Vermögenshaushalt auf 2,8 Millionen Euro.

Auf der Einnahmenseite setzt Meßmer vor allem auf den Verkauf der Alten Schule in Wilhelmskirch: Er soll 400 000 Euro einbringen. Dazu kommt die Zuführung aus dem Verwaltungshaushalt in Höhe von 425 000 Euro - 270 000 Euro mehr als im Vorjahr. Die Steigerung beruht vor allem auf höheren Zuweisungen vom Land sowie größeren Anteilen an Einkommen-, Umsatz- und Gewerbesteuer. Insgesamt hat der Horgenzeller Verwaltungshaushalt im Jahr 2017 voraussichtlich ein Volumen von rund 11,7 Millionen Euro - 5,3 Prozent mehr als im Vorjahr. 2019 braucht es einen Kredit

Zum Jahreswechsel hatte die Gemeinde Horgenzell rund 2,1 Millionen Euro Rücklagen, schätzt der Kämmerer. Davon wird er im laufenden Jahr voraussichtlich 1,2 Millionen Euro entnehmen müssen. Wenn er Bau- und Gewerbegebiete sowie das neue Rathaus im Raiffeisenbank-Gebäude über ein Sonderkonto abrechnet, sei weder im Haushalt 2017 noch 2018 ein neuer Kredit nötig, sagte Meßmer. Dabei müsse die Gemeinde in den kommenden Jahren "Riesensummen" finanzieren: Neben den Kosten für das neue Rathaus rechnet der Kämmerer mit 2,7 Millionen Euro für die Kindergärten in Hasenweiler und Zogenweiler - egal, ob saniert oder neu gebaut wird. Dazu kommen 1,3 Millionen Euro für den Grunderwerb für ein neues Gewerbegebiet und zwei Millionen Euro für ein neues Feuerwehrhaus in Hasenweiler.

Spätestens im Jahr 2019 wird Kämmerer Ralf Meßmer nach eigener Einschätzung einen Kredit aufnehmen müssen. Die Pro-Kopf-Verschuldung in Horgenzell werde dann das Doppelte des Landesdurchschnitts erreichen, prognostizierte er. Manche der geplanten Investitionen könne man zwar noch eine Zeit lang schieben. Aber man müsse dranbleiben an neuen Baugebieten - besonders wenn die Gemeinde das Projekt neues Rathaus in Angriff nehmen wolle.