„Das Wichtigste beim Schießen ist die Haltung. Auch die Innere!“

Der dreifache Biathlon-Olympiasieger Michael „Michi“ Greis spricht in Ravensburg über seine Karriere - und nervige Katzen in Turin ...

Er ist bei 280 Weltcuprennen gestartet, war dreimal Weltmeister und hat 2006 bei den Olympischen Spielen drei Goldmedaillen gewonnen: Michael Greis war einer der weltbesten Biathleten, bevor er seine Karriere 2012 verletzungsbedingt beenden musste. Donnerstag sprach er bei der Raiffeisenbank Ravensburg über diese Zeit. Die wichtigsten Aussagen:

  • „Früher war es still, wenn man daneben geschossen hat. Heute kommen 15 000 Fans. Bei jedem Fehlschuss raunt ein 'Ohhhhh’ durch den Schießstand. Diese Entwicklung ist gut, aber als Sportler sollte man sich nur auf den Sport focussieren.“
  • „Schießen ist relativ einfach, wenn man entspannt ist. Anschlag und Druckpunkt finden, nachladen und von Schuss zu Schuss denken. Aber laufen sie mal das Treppenhaus hoch, treiben den Puls in die Höhe und ver- suchen es dann nochmal. Dann sieht die Welt ganz anders aus.“
  • „Das Wichtigste beim Schießen ist die Haltung. Auch die Innere.“
  • „Die Waffe muss deine Freundin sein. Du musst sie pflegen“
  • „Der Puls ist immer das Resultat der Atmung. Mein Höchstpuls lag bei 175. Mein Ruhepuls liegt bei 35. Ich hatte mal eine kleine Operation. Da haben sich einige Ärzte schon gewundert. Aber sie haben gewusst, dass ich Sport treibe. Dann war es okay.“ „Es heißt: Langläufer leben länger. Das ist auch so.“
  • „Als ich noch im Training war, sind wir 100 000 Kilometer pro Jahr gelaufen.“
  • „Ich bin eine kleine Frostbeule. Skandinavien, Russland, das hat mir nie so gut gelegen. Trotzdem habe ich in Gletschern bei Minus 20 Grad trainiert.“
  • „Ich hatte bei einem Wettkampf immer 25 Skier dabei. Aber der Wachser ist der entscheidende Mann.“
  • „Ich hatte mir am Anfang meiner Karriere in Nesselwang nicht zugetraut, dass ich mal so gut werde. Aber Fritz Fischer hat eine Gruppe mit 5 bis 6 Athleten gefunden und hart mit uns gearbeitet. Er hat eine Art Hausfrauenmentalität entwickelt und immer wieder gesagt: Kommt, Jungs, wir packen das.“
  • „Vor Olympia habe ich zu meine Mutter gesagt: Mama, Du musst keine Kerze für mich anzünden. Ich bin gut drauf.“
  • „Ich bin zu Olympia 2006 nach Turin gefahren und wusste: Ich habe im Vorfeld alles getan! Das habe ich später nie wieder so hinbekommen.“
  • „Ich habe bei der 3. Goldmedaille nur gedacht: alles egal, gib Gas. Ich wollte nur noch heim.“
  • „In Turin haben mich nur die Katzen genervt. Sie waren rallig und haben vor mein Hotelfenster gepinkelt. Ich habe sie mit Flaschen beworfen.“
  • „Vor dem Abspielen der deutschen Nationalhymne habe ich mich gefragt: Was denkt man eigentlich dabei? Als die Nationalhymne lief habe ich mich gefragt: Und was denke ich jetzt beim Denken?“
  • „Der erste gute Tag meiner Eltern war der, als sie mich gezeugt haben. Danach haben sie mich immer machen lassen. Ich habe nie Druck bekommen. Deshalb bin ich meinen Eltern sehr dankbar.“
  • „Ich habe meine Bachelorarbeit beim FC Bayern geschrieben. Aber die Gehaltslisten der Spieler kenne ich trotzdem nicht. Die werden extern geführt.“
  • „Ich liege jetzt auf der Couch, schaue mir die Kollegen an und denke: Der hat schon wieder einen Fehler beim Schießen gemacht. Im Ernst: Ich bin Trainer im Biathlonstützpunkt Lanzerheide/Schweiz und arbeite mit 14 bis 22-Jährigen.

Robin Halle/Südfinder Ravensburg (30.11.2016)