Junge Künstler bringen Farbe in die Büros

Die Raiffeisenbank Ravensburg investierte in die Innenausstattung

Ganz neu ist die Idee ja nicht, dass eine Bank jungen und unbekannten Künstlern die Chance gibt, in ihren Räumen Arbeiten auszustellen. Aber dass sie ein ganzes Projekt als Gesamtauftrag für Farbgestaltung und künstlerische Ausstattung an eine Kunstschule vergibt, spielt doch noch einmal in einer anderen Liga. So war am Dienstag bei der 'Einweihung' der auf zwei Stockwerke in Büros, Besprechungsräumen und Veranstaltungssälen verteilten Werke viel Freude zu spüren über die gelungene Realisation einer Idee.

Arnold Miller, Vorstandssprecher der Raiffeisenbank und von Anfang an sehr engagiert, zeigte sich jedenfalls begeistert von der Zusammenarbeit seiner treuen Mitarbeiter mit Sibylle Werkmeister, Geschäftsführerin der Freien Kunstakademie Überlingen, und ihren 12 jungen, jüngeren und älteren Studentinnen und Studenten. Das Ganze wurde relativ schnell realisiert, denn nachdem die Bank vor vier Monaten in das neue Gebäude eingezogen war, fehlte es noch an Atmosphäre. Dem mit schlamm farbenen Ziegeln verkleideten Bau, der fast überall eine schöne Aussicht auf die Altstadt bietet, war innen der Grundton Schwarz-Anthrazit-Weiß verpasst worden. Damit kann man natürlich nichts falsch machen. Aber etwas Farbe konnte nicht schaden, und so hatte das Haus schon einmal in den zahlreichen Besprechungszimmern ein paar Farbtupfer in Form von runden Flauschteppichen verteilt. Auf diese musste die Kunst Rücksicht nehmen, ansonsten hatte Sibylle Werkmeister quasi freie Hand, aus den Arbeiten ihrer Meisterschüler die am besten passenden auszusuchen. "Dazu gehört viel Vertrauen, nicht nur von der Bank, sondern auch von meinen Studenten", bedankte sich die Künstlerin und Kunstlehrerin, die bereits 1993 die Akademie in Überlingen gründete. Insgesamt hat sie für die Raiba 50 Arbeiten ausgesucht - ausschließlich Zeichnungen und Gemälde, entweder auf eine Hartfaserplatte aufgezogen oder bei grober, ungespannter Leinwand im Rücken verstärkt. "Bloß keine Verglasung und keine Rahmen" entschied Werkmeister. Somit wurden auch die Zeichnungen im großen Saal von Katrin Schwindenhammer - Porträts in Mischtechnik, Aquarell und Kohle - auf dünne Platten aufgezogen und mit einer Schutzschicht überzogen, so kann nichts reflektieren. Zudem bekamen die meisten Großformate noch einen passend kontrastierenden Farbhintergrund, der auf die Wand gemalt wurde.

Es sind einige interessante Arbeiten dabei - wie gerade diese Porträts von Katrin Schwinden-hammer oder eher ephemere Figurenporträts von Anke Bornhöfft-Neugebauer, daneben angedeutete Porträts von Carola Riester im Kleinformat, die im Schwung der Zeichnung asiatisch anmuten. Markus Dietrich zeigt zwei abstrakte Großformate, pastos mit Farbe getränkte Grobleinwand, die eine zipflig geschwungenen Kontur erhält. Außergewöhnlich ist auch Daniel Wollmanns großes Querformat, weiß grundierter Rupfen mit einer faszinierenden 'Kalligrafie', die das Auge immer wieder zum 'Lesen' auffordert. Insgesamt eine Win-win-Situation: ein großer Motivationsschub für die Künstler, ein schöneres Ambiente für die Mitarbeiter und eine lohnende Investition für die Raiba.

Die beteiligten Künstler sind:

Anke Bornhöfft-Neugebauer, Markus Dietrich, Petra Ebeler, Günther Jasper, Irene Rapp, Carola Riester, Heinrike Schmid, Katrin Schwindenhammer, Birgit Serrano, Denise Sigrist, Dalya Taffet, Daniel Wollmann.