Volksbank verlagert Verwaltung nach Ravensburg

Weingartener Genossenschaftsbank mietet sich im Neubau der Raiffeisenbank ein - Fusion rückt näher

Weingarten - Die Volksbank Weingarten wird ihre Verwaltung nach Ravensburg verlagern. Die Genossenschaftsbank hat im Neubau der Raiffeisenbank Ravensburg drei Stockwerke angemietet. Der Neubau wird zum Jahresende 2015 fertig, der Umzug soll im Frühjahr 2016 über die Bühne gehen.

Das bisherige Verwaltungsgebäude der Volksbank Weingarten in der Schützenstraße soll dann verkauft werden. Der Sitz der Volksbank bleibt in Weingarten. Hintergrund des Umzugs nach Ravensburg sind auch Überlegungen, beide Häuser in fernerer Zukunft zusammenzulegen. Die Stadt Weingarten wurde von den Umzugsplänen der Bank überrascht - und zwar nicht positiv.

Die Vorstände beider Banken haben vor wenigen Tagen den Mietvertrag unterschrieben, der der Volksbank Weingarten Platz für rund 30 Mitarbeiter unter dem Dach des neuen Gebäudes der Raiffeisenbank Ravensburg an der Meersburger Straße zusichert. Durch den Umzug wollen beide Häuser im Verwaltungsbereich enger zusammenarbeiten. "Synergien heben", nannte es Volksbank-Vorstandsmitglied Wilfried Deyle am Freitag bei der Verkündung des Vorhabens. Vorstand und Aufsichtsrat beider Banken sehen vor allem in "administrativen und aufsichtsrechtlichen Bereichen" Möglichkeiten für "sinnvolle Synergien", heißt es in der Mitteilung. Es gehe auch um die Sicherung von Arbeitsplätzen.

Verwaltungsgebäude Ravensburg

"Es ist aber auch ein erster Schritt, um sich besser kennenzulernen", sagte Volksbank-Vorstandsmitglied Wolfgang Stolhofer. Dabei machen die Vorstände beider Banken kein Geheimnis daraus, dass sie eine Fusion beider Institute in der Zukunft für sinnvoll, in mancherlei Hinsicht gar für notwendig halten. "Bevor man heiratet, zieht man zusammen", sagte Arnold Miller, Vorstands- sprecher der Raiffeisenbank Ravensburg. "Wir sind uns sicher, dass ein Zusammenschluss über kurz oder lang Sinn macht", sagte auch Wolfgang Stolhofer. Die Häuser hätten auch im Sinne ihrer Kunden und Mitglieder die Pflicht, sich den Heraus-forderungen der Zukunft zu stellen. "Wenn sich die Zinslandschaft bis 2020 nicht ändert, kommen wir in eine gewisse Drucksituation", erklärte Wilfried Deyle. Die Vorstände von Volks- und Raiffeisenbank erwarten künftig höhere "Belastungen der Ertragssituationen aller genossenschaftlichen Banken". Es sei daher klar, dass es in der Region weitere Zusammen- schlüsse von Genossenschaftsbanken geben werde.

Für den Moment allerdings sei das Verhältnis zwischen Volksbank Weingarten und Raiffeisenbank Ravensburg ein klassisches: zwischen Mieter und Vermieter. Der Vertrag läuft über zehn Jahre, die Entscheidung zum Umzug soll nicht mit einem Fusionsbeschluss gleichgesetzt werden, erklären die Vorstände. "Wenn es ganz schlecht läuft, geht es schief", sagte Wolfgang Stolhofer. "Aber eine Fusion ist wahrscheinlich." Zeitlich setzen sich die Banken dabei selbst nicht unter Druck. Es solle genügend Freiraum geben, "praktische Erfahrungen einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zu sammeln" - dies sei Voraussetzung für weitere Schritte.

Stadt wird kalt erwischt

Die Weingartener Verwaltung war für eine längere Stellungnahme am Freitag nicht zu erreichen. Aus dem Rathaus hieß es lediglich, die Stadt habe von den Plänen keine Kenntnis gehabt und werde in der nächsten Woche den Kontakt zur Volksbank suchen, um über die Hintergründe ins Gespräch zu kommen. Fakt ist, dass der Stadt mit dem Wegzug der Betriebsabteilung der Volksbank ein neuer Leerstand entsteht. Nach den Worten des Vorstands der Volksbank betrifft der Umzug rund die Hälfte der in Weingarten beschäftigten Mitarbeiter. "Wir werden uns in der kommenden Woche beraten und das dann bewerten", sagte Weingartens Pressesprecherin Jasmin Bisanz. Allerdings gab sie zu: "Das ist keine schöne Nachricht zum Wochenende."