Der Spatenstich-Marathon geht weiter

Im Baugebiet „Am Hofgut“ in der Ravensburger Weststadt haben die Erschließungsarbeiten begonnen

RAVENSBURG - Gummistiefel, Spaten und Schere gehören seit Wochen zu den wichtigsten Arbeits-Utensilien von Ravensburgs Oberbürgermeister Daniel Rapp. Derzeit absolviert er einen wahren Spatenstich- und Eröffnungs-Marathon bei unterschiedlichen öffentlichen und gewerblichen Bauvorhaben. In einer Regenpause am Mittwochmittag durfte er beim Hofgut an der Alfons-Maurer-Straße ein Stück Grasnarbe für das derzeit größte Wohnbaugebiet in Ravensburg entfernen.

„Jetzt fahren wir die Ernte einer langen und oft mühseligen Arbeit ein“, stellte Rapp zufrieden fest.

Wie berichtet, errichtet die Hofkammer des Hauses Württemberg im Anschluss an das Baugebiet „Domäne Hochberg“ in drei Abschnitten 145 Wohneinheiten mit Reihen- und Kettenhäusern, aber auch Geschosswohnungen. Auf der Gesamtfläche von zehn Hektar ist auch eine kleine Erweiterung des benachbarten Gewerbegebiets vorgesehen.

Der allergrößte Anteil der Bebauung wird aber für Wohnzwecke reserviert. Friedrich Herzog von Württemberg wies in seinem Grußwort darauf hin, dass die Hofkammer seines Hauses mit diesem Vorhaben eine lange Tradition guter Zusammenarbeit mit der Stadt Ravensburg fortsetze. Sie stellt nicht nur den Baugrund zur Verfügung, sondern tritt auch als Bauträger und Vermarkter auf.

Vereinzelte Kritik

Daran hatte sich bei der Verabschiedung des Bebauungsplans im Ravensburger Gemeinderat vereinzelte Kritik entzündet. Doch Rapp sprach auch gestern wieder von einer Win-Win-Situation für beide Partner. Sie komme letztlich den Kaufinteressenten zugute. Neben einem exklusiven kleinen Wohngebiet für Bauherren der Chefarzt-Einkommensklasse und dem in der Endphase der Planung befindlichen Baugebiet „Brachwiese III“ in Schmalegg biete das neue Baugebiet in der Weststadt in erster Linie Wohneigentum für junge Familien, die sich ohne größere Ersparnisse und bei mittlerem Einkommen den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen wollen. Geeignet sei es aber auch für die ältere Generation, der die Pflege von Eigenheim und Garten zu anstrengend geworden ist.

„Mit der Neuansiedlung und Erweiterung zahlreicher Betriebe im Gewerbegebiet Erlen, der neuen Firmenzentrale der Raiffeisenbank Ravensburg, dem Bau eines Studentenwohnheims und der Eröffnung eines großen Büro- und Geschäftshauses in der Bahnstadt vollzieht die Stadt derzeit sowohl im Kernbereich als auch in der Peripherie einen enormen Entwicklungssprung“, erklärte OB Rapp.

Neue attraktive Arbeitsplätze würden geschaffen beziehungsweise langfristig gesichert und damit Zuzug aus aller Welt generiert: „Dass unsere Einwohnerzahl weiter steigt, haben wir nicht allein der Fruchtbarkeit der Ravensburger zu verdanken. Indem wir dieses Wohngebiet ausweisen, holen wir etwas nach, das bereits vor zehn Jahren nötig gewesen wäre. Eine weitere Wohnraum-Verdichtung, die wir in der Innenstadt vornehmen, kann den Bedarf bei Weitem nicht decken.“ Ravensburg brauche jedes Jahr 200 neue Wohneinheiten.

„Bereits 2015 werden hier die ersten neuen Eigentümer Weihnachten feiern können“, versprach Geschäftsführer Achim Geisbauer namens des Bauträgers. Die 85 Etagenwohnungen werden zwei bis vier Zimmer, Tiefgarage und Aufzug haben und barrierefrei erreichbar sein. Die Einfamilienhäuser haben eine Wohnfläche von 110 bis 160 Quadratmeter.

Dank eines Blockheizkraftwerks sowie der Nutzung von Solarenergie und Erdwärme erfüllten die Gebäude bereits jetzt die Energiesparnormen von 2016. Dank einer öffentlichen Grünfläche von 3,5 Hektar und der Privatgärten werde nur die Hälfte der Gesamtfläche versiegelt.

Trotzdem werde es rund 16 000 Quadratmeter Wohnfläche geben, erklärte Geisbauer. Stolz erwähnte er, dass die Hofkammer erst vor Kurzem mit einem bedeutenden Preis für Städtebau ausgezeichnet worden sei. Daher dürfe sich die Stadt auch gestalterisch auf ein ansprechendes Wohngebiet freuen.