Vandalismus beim Neubau

Je wärmer die Nächte, desto mehr Vandalismus

Zerstörte Parkbänke, beschädigte Bankautomaten und Wandbeschmierungen. In lauen Nächten zeigt das Sommerwetter auch unangenehme Seiten, wie ein aktueller Fall von Vandalismus am Neubau der Raiffeisenbank in Ravensburg zeigt. Die Hitze der letzten Wochen hat die Menschen nach draußen getrieben. In den Straßen der Stadt lässt es sich prima aushalten. Manche aber verwechseln wohl Parks, Spielplätze und öffentliche Bauten mit Zonen, in denen Normen und Regeln außer Kraft gesetzt sind. Anders sind mancher Schaden und einige Abfallhaufen, die sich nach lauen Sommernächten in frei zugänglichen Erholungsarealen häufen, nicht zu erklären.

„Hier kommt das Kapital“ - Erschreckend ist der aktuelle Vandalismus-Fall am Neubau der Raiffeisenbank Ravensburg eG in der Georgstraße. Die an den Bauzäunen aufgehängten Banner des Geldinstituts wurden unter anderem mit kapitalismuskritischen Parolen beschmiert. „Wir sind natürlich über die Kapitalismuskritik an den Bannern irritiert. Man kann eine Genossenschaftsbank, die regional und lokal aktiv ist, nicht mit dem Großkapitalismus, der sicherlich woanders stattfindet, in Verbindung bringen“, so Vorstandssprecher Arnold Miller. Und weiter: „Wir sind nicht erfreut über diese Entwicklungen.“

Tatsächlich ist es bereits das zweite Mal, dass die Banner beschmiert wurden. Neben dem Anarchie-Zeichen verewigten sich die Unbekannten außerdem mit linksradikalen Parolen und unter anderem mit folgender Botschaft: „Macht Platz! Hier kommt das Kapital.“ Er weiß aber auch, dass solche Vorkommnisse eher die Ausnahme bilden: „Allgemein waren wir bis jetzt von derartigem Vandalismus nicht betroffen, was mit Sicherheit an der ländlichen Umgebung liegt.“ Eine Antwort darauf, wer die zehn Banner im Wert von 300 und 500 Euro beschädigt haben könnte, hat auch er nicht. Die Großbank-Kritik lässt auf Anarchisten oder Linksradikale schließen. Der Fall wirft aber auch Diskussionen über Konsequenzen zu: „Einschneidende Folgen wird es keine geben, aber man stellt sich natürlich die Frage, wie lange man die Banken geöffnet lassen kann.“

Vandalismus beim Neubau der Raiffeisenbank Ravensburg eG

Oftmals entstehen Schäden auch innerhalb der Bankgebäude, zum Beispiel an den Tastaturen der Geldautomaten. Das Problem: Mittlerweile kommen nicht nur Kunden in die  Bank. „Früher musste man seine Geldkarte in einen Slot einschieben und damit Kunde der  Bank sein, um an die Bankautomaten in Gebäuden zu kommen. Jetzt können auch Nichtkunden reingehen. Denn wir wollen, dass alle auch nachts Geld an unseren  Bankautomaten abheben können“, versichert Vorstandssprecher Miller. Und auch bei der Kreissparkasse kennt man das Problem. „Materiell quantifizieren lässt sich so ein Schaden nicht, da er großen Schwankungen unterworfen ist. Es entstehen aber keine Riesenschäden, es sind immer wieder kleine Beschädigungen“, sagt Michael Gresens von der Kreissparkasse Ravensburg. Eine Tendenz kann Gresens nicht erkennen „Es gibt keine besonderen Kulminationspunkte und keine Filialen, an welchen dies besonders oft vorkommt.“ Er fügt an: „Jeder Schaden ist unheimlich ärgerlich für die Kunden und auch für uns. Man muss es aber als Seitwärtsentwicklung betrachten. Vandalismus ist leider da.“

Auch die Stadt hat den Eindruck, dass die durch Vandalismus entstehenden Schäden seit einigen Jahren konstant bleiben. „Problematisch sind gerade in den Sommermonaten die vielen Scherben im Bereich der Grünanlagen sowie auf Spielplätzen als Hinterlassenschaften  nächtlicher Treffs“, teilt Ute Spanninger von der Pressestelle der Stadt mit. So tauchen oft Scherben und anderer Müll in Grünanlagen, auf Bänken und Treppen zwischen der Veitsburg und Mehlsack auf. Auch Spielgeräte auf Spielplätzen leiden unter mancher Zerstörungswut. Wie der letzte Fall einer großflächigen Schmiererei in der Brotlaube zeigt, ist die Situation bei Graffiti zwar besser geworden, jedoch immer noch aktuell. Immer wieder kommt es auch zu Schäden auf Baustellen und deren Absicherungen, dort sind vor allem mobile Verkehrszeichen als „Souvenir“ beliebt. Im Bahnhofsbereich gibt es indes nicht nur Vandalismus, sondern auch viele Fahrraddiebstähle. In der polizeilichen Kriminalstatistik wird „Vandalismus“ nicht separat ausgewiesen. Deshalb fallen darunter sämtliche Sachbeschädigungsdelikte von Beschädigungen eines Seitenspiegels und Zerstörungen gleich mehrerer Autos in einem Wohngebiet. Doch auch wenn es im Sommer besonders viele Fälle von Vandalismus gibt, so sind die Zahlen im Landkreis Ravensburg über das Jahr gesehen rückläufig, wie das Polizeipräsidium Konstanz mitteilt.