Fragen und Antworten aus der Telefonaktion der Schwäbischen Zeitung zum Thema Vorsorge

Wohin mit dem Geld für die Vorsorge?

Ravensburg - Die gesetzliche Altersrente bleibt auch künftig der Grundstein des Alters- einkommens. Nach Berechnungen des sogenannten Schätzerkreises wird es im kommenden Jahr voraussichtlich eine Rentenerhöhung zwischen vier und fünf Prozent geben. Das wäre die stärkste Anhebung seit 1993. Doch das Plus darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Niveau der gesetzlichen Rente weiter sinkt. Je jünger, desto größer ist die Rentenlücke. Wer sich als Rentner nicht einschränken will, muss zusätzliche Vorsorge betreiben - entweder über den Arbeitgeber oder privat. Wie betriebliche Altersversorgung funktioniert und welche privaten Vorsorgevarianten etwas taugen - darüber informierten während unserer Telefonaktion:Helmut Schmeh von der Raiffeisenbank Ravensburg(BWGV), Ingo Schweitzer vom Kapitalforum Schwaben/Allgäu sowie Jürgen Vogt von der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL). Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir notiert:

Meine Tochter (34) plant für die Altersvorsorge eine Riester-Rentenversicherung abzuschließen. Man hört so viel Negatives. Lohnt es sich, einen solchen Vertrag abzuschließen?
Ja, durchaus. Unabhängig von der kritischen Berichterstattung zur Riester-Rente:Ihre Tochter bekommt Geld geschenkt - als Zuschuss und als Steuervorteil. Bis zu 154 Euro beträgt die jährliche Grundzulage, und Beiträge bis zu 2100 Euro, abzüglich der Zulagen, könnte sie gegebenenfalls steuerlich absetzen. Für jedes Kind gibt es bis zu 185 Euro per annum - hat sie Kinder, die nach 2007 geboren sind, sind es sogar bis zu 300 Euro. Außer- dem sind ihre Einzahlungen und gewährten Zuschüsse per Gesetz garantiert, wenn sie den Vertrag bis zum Rentenalter durchhält.

 

Ist es wirklich so, dass die gesetzliche Rente, die eventuell mit einer Riester- Rente aufgestockt wird, im Rentenalter nicht ausreicht?                                                       Das hängt natürlich von Ihren individuellen Lebensumständen und Ihren Bedürfnissen ab. Zwei grundsätzliche Bemerkungen: Der Unterschied zwischen dem letzten Arbeitseinkommen und der Höhe der Regelaltersrente wird größer je jünger Sie sind. Das ist eine Folge des sinkenden Rentenniveaus. Und ein Riester-Vertrag reicht zur Altersvorsorge nicht aus, er kann lediglich die Abstriche bei der gesetzlichen Rente ausgleichen. Ob Sie Vorsorge be- treiben müssen, können Sieselbst ausrechnen: Nehmen Sie Ihren Anspruch auf gesetzliche Altersrente, wie er in der jährlichen Renteninformation steht, und fügen Sie die Ansprüche aus Riester- und Betriebsrente hinzu. Kalkulieren Sie auch einen Inflations-ausgleich in die Berechnung mit ein. Dann überlegen Sie sich, wie Ihre finanzielle Situation im Alter aussieht und errechnen Sie Ihre monatlichen Ausgaben. Vergleichen Sie beide Summen - bei einer negativen Differenz müssen Sie handeln.

 

Mein Sohn ist bei der Kommune im sozialen Bereich angestellt.Kann er über den Arbeitgeber zusätzlich vorsorgen?
Er kann über die kommunalen Zusatzkassen Entgeltumwandlung betreiben. Die Zahlungen kommen dann komplett aus seinem Bruttogehalt. Das Prinzipfunktioniert wie folgt: Seine laufenden Vorsorgeeinzahlungen sind sowohl steuerals auch sozialversicherungsfrei - in diesem Jahr bis zu 242 Euro monatlich oder bis zu 2904 Euro jährlich. Im kommenden Jahr steigen die Grenzen auf 248 Euro bzw. 2976 Euro. Die ausgezahlte Rente aus Entgeltum-wandlung ist im Seniorenalter voll steuerpflichtig - vorausgesetzt, Ihr Sohn muss als Rentner Steuern zahlen. Wenn er nicht privat krankenversichert ist, müsste er auch im Alter den vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag zahlen.

 

Ich bin selbstständiger Handwerker. Welche Änderungen hat der Gesetzgeber bei der Rürup-Rente vorgenommen?
Bisher war das maximale Beitragsvolumen auf 20 000 Euro oder 40 000 Euro für Ver- heiratete beschränkt. Seit diesem Jahr wird es dynamisch an den Höchstbeitrag zur knapp-schaftlichen Rentenversicherung (West) gekoppelt. Demnach beträgt 2015 der steuerlich absetzbare Höchstbeitrag 22 172 Euro. 80 Prozent davon können Sie in diesem Jahr maximal als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Das sind genau 17 737,60 Euro. Sind Sie verheiratet, könnten Sie sogar den doppelten Wert absetzen. Aber um etwas abzusetzen, muss man entsprechend verdient haben. Lassen Sie sich deshalb vor Vertragsabschluss steuerlich beraten!


Mein Berater hat mir Anleihen angeboten. Ehrlich gesagt, verstehe ich nicht viel davon. Worauf sollte ich achten?
Bei Geldanlagen sollten Sie immer nach der Devise verfahren: Kaufen Sie nur, was Sie auch verstehen. Also sollten Sie auf Angebote verzichten, die für Sie nicht transparent erscheinen - selbst, wenn die damit verbundenen Erträge noch so vielversprechend sind. Fragen Sie konkret: Welche Kosten und welche Risiken sind mit diesen Anlagen verbunden? Wenn Sie keine zufriedenstellenden oder verständlichen Auskünfte erhalten, sollten Sie lieber die Finger von solchen Angeboten lassen.

 

Stimmt es, dass ich mit einem Riester-Vertrag Steuern sparen kann? Ich verdiene recht gut.
Das stimmt, Sie bekommen die Grundzulage von 154 Euro jährlich und eventuelle Kinder-zulagen, wenn Sie vier Prozent ihres sozialversicherungspflichtigen Vorjahresbruttos abzüg- lich der Zulagen einzahlen. Sie können ihre Zahlungen bis zu 2100 Euro jährlich steuerlich geltend machen und zwar im Rahmen der Einkommensteuererklärung. Ergibt sich für Sie nach Abzug der Zulage ein Steuervorteil, wird Ihnen dieser unmittelbar ausgezahlt.

 

Ich habe seit vielen Jahren eine Direktversicherung. Was ist im Alter wegen der
Sozialversicherungsbeiträge besser - wenn ich mir eine Rente zahlen oder mir
einmalig Kapital ausschütten lasse?

Wenn Sie nicht privat krankenversichert sind, müssen Sie in beiden Fällen auch im Alter den vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag zahlen. Sie müssen sich auf rund 18 Prozent einstellen. Das gilt selbst dann, wenn statt der Rente eine einmalige Kapitalausschüttung erfolgt.

 

Sind Aktienfonds für Altersvorsorge nicht zu riskant?                                                Man kann durchaus breit streuende Aktienfonds in die Vorsorge einbeziehen,wenn man langfristig - also mindestens über zehn Jahre - anlegt. Zwar sind immer kurzfristig größere Kursschwankungen wie derzeit möglich. Aber für die Altersvorsorge über Jahrzehnte waren Aktienfonds zumindest bisher bei der Wertentwicklung anderen Anlagen überlegen. Aber wenn Sie Pech haben und zu einem bestimmten Zeitpunkt an das Geld heran müssen, können Sie auch Verluste einfahren.


Meine Tochter ist jetzt in der Ausbildung. Was sollte sie schon in Richtung
Altersvorsorge tun?                                                                                                
Zunächst sollte sie die staatlichen Fördermöglichkeiten nutzen - die Riester-Rente und die Wohnungsbauprämie. Hat sie dann noch finanziellen Spielraum, kann sie je nach Risiko-neigung einen Fondssparplan oder eine Rentenversicherung prüfen. Nicht vergessen werden sollte der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese ist existenziell und sollte nicht mit Altersvorsorge gekoppelt werden; denn wenn Ihre Tochter mal nicht in der Lage sein sollte, für die Vorsorge weiter zu sparen, bleibt ihr der Berufsunfähigkeitsschutz bei einem separaten Vertrag erhalten.

 

Unsere Versicherung läuft jetzt aus und wir möchten das Kapital todsicher
anlegen. Gibt es dafür überhaupt noch Möglichkeiten?

Wenn Sie das Geld zur Aufstockung Ihrer Rente benötigen, sollten Sie tatsächlich nicht spekulieren. Tages- oder Termingelder sind nach wie vor absolut sicher, da Sie über den deutschen Einlagensicherungsfonds der deutschen Banken abgesichert sind, der Sie vor einer eventuellen Bankenpleite schützt. Allerdings bekommen Sie hier nur eine magere Ver- zinsung. Bei den meisten Instituten können Sie nur mit 0,1 bis 0,5 Prozent rechnen. Die Rendite ist etwas höher, wenn Sie Ihr Geld noch etwas länger anlegen. Legen Sie Ihr Geld aber nicht zu lange fest - maximal auf drei Jahre Laufzeit, falls sich die Zinsbedingungen ändern sollten.


Mein Lebensversicherungsvertrag läuft seit 1989. Sollte ich den Vertrag kündigen, weil der Garantiezins sinkt?
Der Garantiezins beträgt seit diesem Jahr 1,25 Prozent. Das gilt aber nur für Neuverträge - Ihr Vertrag ist davon nicht betroffen. Hier gilt weiterhin der Garantiezins, der bei Vertrags-abschluss maßgeblich war - der ist bei Ihnen 3,5 Prozent. Das ist ein Zins, den Sie heute auf dem freien Kapitalmarkt schwerlich finden werden. Wir raten Ihnen, den Vertrag auf keinen Fall zu kündigen, sondern regulär auslaufen zu lassen. Sonst machen Sie nur Verlust.

 

Ich möchte einen Riester-Vertrag abschließen. Ist das gleich, in welcher Form er abgeschlossen wird?                                                                                                    Den Riester-Vertrag gibt es in mehreren Varianten - als Banksparplan, als Versicherung, als  Fondsprodukt oder in Form der Eigenheimrente. Die Förderung ist überall die gleiche. Auch Ihre Einzahlungen und die gewährten Zuschüsse sind bei jeder Variante eines Riester-Vertrages zum Ende der Ansparphase per Gesetz garantiert. Immer vorausgesetzt, Sie halten den Vertrag bis zum Rentenalter durch. Je nach Ihrer individuellen Situation sollten sie das entsprechende Produkt auswählen und sind dann mehrere Angebote einholen und vergleichen.


Mein Sohn (21) hat eine Riester- und eine Rürup-Versicherung, eine fonds-gebundene Rentenversicherung sowie eine Haftpflicht- und eine Berufsunfähig- keitsversicherung. Ist er überversichert?
Sagen wir so - Ihr Sohn wurde vom Versicherungsvertreter gut betreut. Eine Haftpflicht- und eine BU-Versicherung sind ein Muss. Wenn er aber eine Riester-Rente hat und als Arbeit-nehmer förderberechtigt ist, ist es zweifelhaft, ob eine Rürup-Rente sinnvoll ist. Die ist eher für Selbstständige gedacht. Und bei der Riester-Rente sollte er darauf achten, dass er diese nicht überzahlt. Für die volle Förderung genügen vier Prozent des  Vorjahresbruttoein-kommens abzüglich der Zulagen.


Ich habe noch zehn Jahre bis zur Rente und bekomme jetzt 50 000 Euro ausge-zahlt, die ich nicht sofort benötige und sicher bis zur Rente anlegen will. Was habe ich für Alternativen?
Tages- und Festgelder sind sicher, werden derzeit aber schlecht verzinst. Der Zinssatz steigt etwas, wenn Sie Ihr Geld nicht auf einem Tagesgeldkonto, sondern für zwei, drei oder vier Jahre fest anlegen. Alles andere hängt von Ihrer Risikobereitschaft ab.


Wie wird das Kapital bei Ausschüttung aus einer Versicherungspolice besteuert? Es hieß bei Vertragsabschluss, dass die Auszahlung aus der Lebensversicherung steuerfrei wäre. Stimmt das?

Bei Lebensversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, ist die Kapitalauszahlung komplett steuerfrei, wenn Sie mindestens fünf Jahre Beitrag gezahlt haben und der Vertrag mindestens zwölf Jahre läuft. Die meisten sogenannten Altverträge haben diese Bedingungen erfüllt. Bedenken müssen Sie bei einem Beitrags-Depot, dass eventuell Abgeltungssteuer anfallen könnte.


Meine Riester-Rente läuft demnächst aus. Kann ich mir das angesparte Kapital
auf einmal auszahlen lassen?

Eigentlich nicht. Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass nach dem Ende der Ansparphase eine lebenslange Rente gezahlt wird, weil die Riester-Förderung ja Abstriche bei der gesetzlichen Rente ausgleichen soll. Maximal 30 Prozent des angesparten Kapitals dürfen auf einen Schlag ausgeschüttet werden. Wenn Sie sich dennoch das komplette Vermögen auszahlen lassen, gilt das als förderschädliche Verwendung. Da heißt, Sie müssten die Förderung, die Sie in der Ansparphase erhalten haben, zurückzahlen. Eine Ausnahme gibt es noch, wenn Sie nur eine sehr geringe Rente, eine sogenannte Mini-Rente, angespart haben. Bekommen Sie den Riester-Vertrag noch 2015 ausgezahlt und liegt Ihre daraus berechnete monatliche Rente unter 28,35 Euro, ist eine Komplettauszahlung möglich, ohne, dass Sie die Förderung zurückzahlen müssen.